Festival Rümlingen

Er muss geahnt und gewusst haben, dass er einst zu den ganz Grossen der Weltliteratur zählen wird, denn in seinen Texten zu Jakob Michael Reinhold Lenz, Georg Büchner und anderen identifiziert er sich förmlich mit diesen Schriftstellern, die erst Jahrzehnte nach ihrem Tod entdeckt wurden, – exakt so, wie es bei Robert Walser später auch der Fall war.

Das Walser-Musikfestival zeigt die ästhetische Breite der musikalischen Walser-Rezeption und regt zu neuen Auseinandersetzungen an. Ein Höhepunkt des Programms ist sicher die Wiederaufführung von «Zeugen» des griechisch-französischen Komponisten Georges Aperghis für Sopran, Sprecher und – als Zeugen – sieben Kasperle-Figuren von Paul Klee. Es sind vergrösserte Kopien jener Figuren, mit denen Felix Klee im Bauhaus Weimar seinen Vater coram publico wegen seines Schweizer Akzentes veräppelt hat. 

Walsers Patientenakte widmet sich HannaH Walter mit dem Myelium Collectiv im Museum Ziegelhütte in Appenzell, während Roland Moser mit «Die Europäerin» des Mirkogramm 400 zum Klingen bringt. Dem ganzen Komplex «Tobold» schliesslich widmen sich Anda Kryeziu mit dem Fringe Ensemble aus Bonn und Cantando Admont aus Graz.

Doch was wäre Walser ohne seine Spaziergänge. Von Teufen nach Trogen und von Wald nach Heiden begleiten das Publikum 15 Uraufführungen zu Walser, aufgeführt und interpretiert vom Ensemble Garage aus Köln und lokalen MusikerInnen und Musikern aus den beiden Appenzell. Das wissenschaftliche Symposion der Robert Walser-Gesellschaft schliesslich widmet sich erstmals konzentriert der musikalischen Walser-Rezeption, begleitet von Intermezzi legendärer musikalischer Auseinandersetzungen mit dem grossen Schweizer Dichter.

Partner: Festival KLANG MOOR SCHOPFE und Robert Walser Gesellschaft.

Weitere Förderer und Partner finden sie im Menü unter Partner

Programmübersicht

5. – 12. September

Cathy van Eck, Prolog am Festival KLANG MOOR  SCHOPFE in → Gais.


Donnerstag 16. September

Festivaleröffnung im → Ziegelhütte des Kunstmuseums Appenzell (AI), Appenzell
Kollektiv Mycelium: «Patient Nr. 3561» UA.

Mit: Hanna Walter, Mariella Bachmann, Robert Torche, Tanja Schwarz


Freitag 17. September

Eröffnung des Walser Kongresses «Robert Walser und die Musik»

→ Krombachsaal des Psychiatrischen Zentrums Herisau (AR).

 

Oliver Rutz: «Sonst zieh ich immer zuerst einen Prosakittel an.»

Musikalischer Rundgang für Stimmen und Akkordeon

Kompositionswettbewerb des Kantons Appenzell AR 2020.

Mit: Ensemble SoloVoices: Francisca Näf, (Mezzosopran) Jean-J. Knutti, (Tenor), Jean-Christophe Groffe, (Bass), Olivia Steimel, (Akkordeon)

 

Georges Aperghis’ «Zeugen» (UA der Neufassung)
Mit: Salome Kammer (Stimme), Teodoro Anzellotti (Akkordeon), Mathilde Horsiangou (Klavier) Ernesto Molinari (Klarinette), Marcus Weiss (Saxophon), Françoise Rivalland (Cymbalon)


Samstag 18. September

 

Tagsüber

Literarisch-musikalischer Spaziergang. → Teufen (Bürgerort Walsers) nach → Trogen.

 

Mit Uraufführungen und Werken von: Mathieu Corajod, Stephan Froleyks, Eva-Maria Houben, Ruedi Häusermann, Patrick Kessler, Brigitta Muntendorf, Karl Alfons Zwicker.

 

Ausführende: Ensemble Garage Köln, ChorWald, SinGallinas, u. a.

 

Näheres zu den Werken und den Ausführenden finden sie hier

 

Abends

→ Rösslisaal, Trogen

Roland Moser: «Die Europäerin» UA – Musiktheater nach dem Mikrogramm 400 (Kompositionsauftrag der Kulturstiftung Pro Helvetia und des Kantons BL.)
Regie: Pierre Sublet. Mit: Leila Pfister (Mezzosopran), Niklaus Kost (Bariton), Jürg Kienberger (Schauspieler), Conrad Steinmann (Blasinstrumente), Helena Winkelman (Violine).

 

→ Restaurant Schäfli, Trogen

Lesung aus dem «Räuber»-Roman von Robert Walser, Ueli Jäggi (Sprecher)

 

→ Kantonsbibliothek, Trogen

Regula Engeler und Jochen Heilek: Video-Installationen zum «Räuber»-Roman aus den Mikrogrammen Walsers. Live-Musik: Malgorzata Walentynowicz (Klavier) (Ensemble Garage, Köln)


Sonntag 19. September

 

Tagsüber

Literarisch-musikalischer Spaziergang von → Wald nach → Heiden oberhalb Rorschachs

 

Uraufführungen und Werke von Carola Bauckholt, Lilian Beidler,

Nicolas Berge / Lucia Kilger, Gisa Frank/Urban Mäder, Paul Giger / Andres Bosshard,

Patrick Kessler, Daniel Ott, Charles Uzor, Karl Alfons Zwicker.

 

Ausführende: Ensemble Garage Köln, ChorWald, SinGallinas, Brass Band Rehetobel, Jugendmusik Rehetobel, Goran Kovacevic (Akkordeon), Paul Giger (Violine), Hackbrett- SpielerInnen und Kontrabässe aus der Region.

 

Näheres zu den Werken und den Ausführenden finden sie hier

 

Abends

Literarisch-musikalische Lesung: Carl Seelig: «Spaziergänge mit Robert Walser». Ueli Jäggi (Sprecher).

«Die Topographie des Alpstein als Partitur». Kompositionswettbewerb des Kantons Appenzell AR 2020. Trio Anderscht: Fredi Zuberbühler (Hackbrett), Roland Christen (Kontrabass), Andrea Kind (Hackbrett).

 

→ Saal Gasthaus Linde, Heiden

Anda Kryeziu: «Tobold» – Musiktheater für 2 SängerInnen, 2 SchauspielerInnen und Live- Elektronik auf frühe Texte von Robert Walser.
Regie: Frank Heuel, Ausstattung: Annika Ley, Schauspiel: Bettina Marugg, Philip Schlom (Fringe Ensemble, Bonn).

Gesang: Helena Sorokina (Mezzosopran/Alt), Christoph Brunner (Bass/Bariton) (Ensemble Cantando Admont Graz) Musikalische Leitung: Cordula Bürgi; Klangregie: Anda Kryeziu

 


19. November 2021

Nachklang des Festivals in → Rümlingen, Baselland: Ausgewählte Werke der Spaziergänge. Das genaue Programm wird noch bekannt gegeben.

Musiktheater

Musiktheater #1

 

Kollektiv Mycelium: «Patient Nr. 3561.»

Premiere zur Festivaleröffnung am 16. September 2021 → Ziegelhütte Museum Appenzell (AI), Appenzell

Installative Performance Basierend auf späten Texten von Robert Walser und Recherchen zur seinem Aufenthalt in der Psychiatrie.

Mit: Hanna Walter, Mariella Bachmann, Robert Torche, Tanja Schwarz

Eine Koproduktion des Festivals Neue Musik Rümlingen mit dem Museum Appenzell. Konzeption/Komposition: HannaH Walter.

 

Mycelium ist eine Gruppe von jungen Interpretinnen und Interpreten, die sich auf zeitgenössische und transdisziplinäre Projekte spezialisiert haben. An Schnittstellen zu anderen Disziplinen experimentieren sie mit alternativen Konzertformaten und suchen neue Wege der Präsentation zeitgenössischer Musik im Kontext übergreifender (oftmals szenischer) Konzepte. So hat Mycelium in vergangenen Projekten mit ExpertInnen aus musikfremden Disziplinen wie der Kernphysik, der Uhrmacherei oder Soziologie zusammengearbeitet. Nach bisherigen Plänen entwickelt Mycelium für die Kunsthalle Ziegelhütte in Appenzell (Kanton Appenzell Innerrhoden) eine installative Performance, in der sich das Publikum wie in einer Ausstellung frei bewegen kann. Alle Etagen und Zwischenetagen sowie die labyrinthisch angelegten Brennöfen werden bespielt. Das ‹Labyrinthische›, das Walsers späte Texte auszeichnet, wird das formale Prinzip bilden.

Auf einer inhaltlichen Ebene wird das Thema des Verstummens als Waffe gegen den Zugriff der Psychiatrie artikuliert werden. Programmatischer Hintergrund könnte die (Nicht-) Beziehung von Robert Walser mit dem ebenfalls dichtenden Leiter der Herisauer Anstalt Otto Hinrichsen sein, der unter dem Pseudonym Otto Hinnerk Kolumnen im Nebelspalter und schlüpfrige Komödien schrieb.

Ein Instrument und Verbindungsschnur – in Anspielung an Walsers Arbeit des Schnüre- Verlesens (schweizerisch für Entschnüren) – werden bespielte Tonbänder mit alten und neuen Aufnahmen sein, die von den Besuchenden mit individuellen Tonköpfen abgehört werden können. Telematik (Audio und Video), überwachte Räume, gestörte oder fragmentierte Übertragungswege, in Glaskästen gefangene MusikerInnen, die Psychiatrie in historischem und aktuellem Diskurs sind die Stichworte in der momentanen Planungsphase!


Musiktheater #2

 

Georges Aphergis’ «Zeugen» (UA der Neufassung)

Premiere 17. September 2021 Krombach Saal, → Psychiatrisches Zentrum Herisau

Mit: Salome Kammer (Stimme), Ernesto Molinari (Klarinette), Marcus Weiss (Saxophon), Françoise Rivalland (Cymbalon), Mathilde Horsiangou (Klavier), Teodoro Anzellotti (Akkordeon)

 

Konzertante Neufassung des Théâtre musical «Zeugen» von 2007. Basiert auf verschiedenen Texten und Dramoletten von Robert Walser.

Unterstützt von Impuls Neue Musik
Eine Koproduktion mit dem Festival Neue Musik Rümlingen

Konzeption/Komposition: Georges Aperghis

Mit: Salome Kammer – Gesang, Ernesto Molinari – Klarinette, Marcus Weiss – Saxophon, Teodoro Anzellotti – Akkordeon, Mathilde Hoursiangou – Klavier und Françoise Rivalland – Cymbalum.
Handpuppen von Paul Klee.

Szenographie: Andreas Wenger.

Gastspiel Januar 2022, Gare du Nord Basel.

 

2007 vertonte Georges Aperghis Texte von Robert Walser für ein fünfköpfiges Ensemble, eine Sängerin, einen Schauspieler und sieben Handpuppen von Paul Klee. Daraus entstand das Théâtre Musical «Zeugen». Aperghis bringt in diesem Werk zwei zentrale Künstler des 20. Jahrhunderts zusammen, die sich im Leben nie begegnet sind und die sich in Bern ganz knapp verpasst hatten: Als Paul Klee am Heiligabend 1933 das Dritte Reich verlässt und in sein Elternhaus in Bern zurückkehrte, war Robert Walser schon in Herisau, wohin er im Juni 1933 gegen seinen Willen eingeliefert worden war.

Im September 2021 wird «Zeugen» in einer konzertanten Neuproduktion aufgeführt, bei der Walsers Text vom Instrumentalensemble gesprochen wird. Der Anlass wird im Krombachsaal der Psychiatrischen Klinik Herisau durchgeführt werden, in jener Klinik also, in der Robert Walser die letzten 23 Jahren seines Lebens verbrachte. Alle an der Uraufführung beteiligten MusikerInnen werden auch 2021 wieder mit dabei sein.

Das Stück wird vom Szenographen Andreas Wenger neu in Szene gesetzt, mit in doppeltem Massstab vergrösserten, originalgetreuen Nachbildungen der Handpuppen, die Paul Klee für seinen Sohn Felix über einen Zeitraum von sieben Jahren geschaffen hatte. Aperghis wählte sieben Handpuppen aus, die schon mit ihren Namen einen Walserschen Kosmos zeigen: «Herr Tod» (1916), «Alte Jungfer» (1919), «Gekrönter Dichter» (1919), «Frau Tod» (1921), «Selbstporträt» (1922), «Emmy Galka Scheyer» (1922), «Vogelscheuchengespenst» (1923).

Die Handpuppen werden nicht gespielt, sondern sie sind stehende Zeugen, denen Fragmente aus Walsers späten Mikrogramm-Dramoletten in den Mund gelegt werden. In kurzen Video- Einblendungen werden sie jedoch auch bewegt und belebt. Für die Sängerin komponierte Aperghis eine hochvirtuose Partie, die Walsers Texte mit lautmalerischen Sprachgirlanden umrankt.


Musiktheater #3

 

Roland Moser: «Die Europäerin» – Musiktheater für 2 MusikerInnen, 1 Sängerin und einen Sprecher auf das Mikrogramm 400 (Kompositionsauftrag der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia.)

Premiere 18. September 2021 → Rössli Saal,Trogen

Regie: Pierre Sublet. Mit: Leila Pfister (Mezzosopran), Niklaus Kost (Bariton), Jürg Kienberger (Schauspieler), Conrad Steinmann (Blasinstrumente), Helena Winkelman (Violine)

 

Eine Koproduktion mit den Jardins Musiceaux in Auvernier und dem Festival Rümlingen.Uraufführung am Festival Jardins Musicaux in Auvernier 19. August 2021. Gastspiel: Januar 2022, Gare du Nord Basel.

 

Das Mikrogramm Nr. 400 (Zahl von Nachlassbearbeiter gesetzt) ist auf ein Papier von der Grösse 17,5 × 8 cm geschrieben. Es enthält einen recht umfangreichen Aufsatz, ein kurzes Dramolett mit dem Titel «Die Europäerin» und zwei Gedichte. Vermutlich ist es im September 1927 entstanden, auf dem halben Papier eines «Tusculum»-Kalenders, der bei Altphilologen beliebt war und irgendwie in Walsers Hände kam.

Der Aufsatz, ein Entwurf zum später gedruckten «Theateraufsatz» zum 150. Geburtstag des Dichters, ist ein witzig-kritischer Text über Kleist als Dramatiker. «Ich werde in diesem Aufsatz frech sein, ich fühle es …», so fängt er an. Auch das Dramolett «Die Europäerin», mit einer Sängerin von gesundem Selbstbewusstsein, ihrem Dichter-Freund, und ganz am Schluss einem Begleiter, dessen Stimme die Szene unwirsch beendet. Es handelt sich trotz Komplimenten eher um ein Duell als um ein Duett, einen mehrere Gefühlslagen durchziehenden Dialog. Auf dem gleichen Blatt stehen zwei Gedichte:

«Blonde Bestie, stör mich nicht» mit Zitaten in des Dichters erster Person, und: «Frauen sind in Gemächern / bei Spiegeln, Schmuck und Fächern / das bange Warten selber». Mehrfach tauchen in diesen Gedichten auch Stellen aus dem Aufsatz und der Szene auf. Aber Wörter gebären auch ständig neue Wörter über Assonanzen und Rhythmen. Das klingt wie ein Tanz von Silbe zu Silbe. Klänge und Rhythmen, musikalische, stehen im Zentrum der beiden anderen Personen, die sich in die Szene bringen: Eine Geigerin in der Rolle einer bloss aus dem Off hörbaren virtuosen Solistin, die Fetzen von «Walser-Capricen» übt. Später sieht man sie als Strassenmusikantin auf der Bratsche schlichte aber assoziativ reiche Melodien spielen, «beiseit» sitzend auf einem Feldstühlchen. Ein Bläser mit Okarina – einem Volksinstrument – wandert immer wieder spielend oder stumm über die Bühne, an deren Rand, der Instrumente versteckt hält, um sie zu holen, zu spielen und abzulegen. Es gibt kaum ganze musikalische «Nummern». Nur in den beiden Gedichten, die einmal integral, später oder vorher nur fragmentarisch erklingen, beteiligt sich die Sängerin in Terzetten mit den beiden.!


Musiktheater #4

 

Anda Kryeziu: «Tobold» (UA)

Premiere 19. September 2021 → Saal Gasthaus Linde,  Heiden

Musiktheater für 3 SängerInnen, 3 SchauspielerInnen und Live-Elektronik auf frühe Texte von Robert Walser.

Regie: Frank Heuel (Fringe Ensemble), Ausstattung Annika Ley (Fringe Ensemble). Schauspiel: Bettina Marugg, Philip Schlom (Fringe Ensemble Bonn). Gesang: Helena Sorokina (Mezzosopran/Alt), Christoph Brunner (Bass/Bariton), (Cantando Admont, Graz); Musikalische Leitung: Cordula Bürgi (Cantando Admont Graz), Klangregie: Anda Kryeziu

 

In der kleinen Erzählung «Der fremde Geselle» begegnet uns der Name Tobold bei Walser zum ersten Mal schon früh. Ein Ich erzählt uns von einem Fremden, der kurz vorm Haus haltend zum Ich heraufschaute und dann weiterzog. Nachts in Gedanken an diese kurze Begegnung wachliegend gibt es dem Weiterziehenden den Namen Tobold, der später immer wieder in vielen weiteren Geschichten Walsers auftaucht.

«Tobold liebte alles Alte, alles Ge- und Verbrauchte, ja, er liebte sogar bisweilen Verschimmeltes. So zum Beispiel liebte er alte Leute, hübsch abgenutzte alte Menschen.» Walsers Gestalten sind immer randständig, niemals Mitglied der Gesellschaft. Und das haben sie mit den Figuren Franz Kafkas gemein. Aber wie bei Kafka liegt in ihrer Demut ein unbändiger Widerstand und Eigensinn.

Tobold – auch der Titel eines verschollenen Romans – wird oft als Pseudonym Robert Walsers verstanden. Das Musiktheaterprojekt «Tobold» wird sich diesem Figurentypus nähern. Der Text setzt sich zusammen aus Fragmenten der frühen Erzählungen; dabei wird die oben erwähnte Prosa «Der fremde Geselle» ein leitmotivisches Zentrum bilden.

Das Format aus Gesprochenem und Gesungenem drückt sich in der Besetzung aus, die sich aus einem kleinen Gesangs- und Sprecherensemble zusammensetzt. Der Entwicklungs- und Probenprozess gestaltet sich in verschiedenen Phasen, in denen Komposition, Textauswahl und -verteilung überprüft und weiterentwickelt werden. Text – gesprochen und/oder gesungen – ist neben dem Transport von Inhalt immer auch Klang, mit welchem wir über die Spatialisierung musikalische Räume schaffen werden. Es wird sowohl mit A cappella Gesang als auch der elektronischen Transformation der Stimmen gearbeitet.

Die unterschiedlichen Aufführungsorte – Uraufführung ist im Gastraum der Alten Linde in Heiden, folgende in offen zu nutzenden Theatersälen in Graz, Bonn und Berlin – erfordern ein ortsunabhängiges Raum-Konzept. Hier wird es vorrangig um eine Interaktion der durch Klang (s.o.) geschaffenen Räume und der visuell entstehenden Öffnungen gehen. Projektionsflächen und Möglichkeiten werden mit der jeweilig vorhandenen Raumstruktur entwickelt und an die einzelnen Orte der Aufführungen adaptiert!

Spaziergänge

 1. Spaziergang

 

Samstag 18. September 2021, Einlass 11 – 14 Uhr

Von → Teufen (AR – Bürgerort Walsers) nach → Trogen (AR).

 

Der Weg ist streckenweise steil und anstrengend. Unbedingt gutes Schuhwerk und kleine Verpflegung mitnehmen. Reine Gehzeit 3 h. Geschätze Gesamtdauer 5 h.

 

Im Zentrum des ersten Walser-Spaziergangs stehen die späten Mikrogramme von Robert Walser. Der Weg führt die ZuschauerInnen in den Rösslisaal Trogen zur Aufführung von Roland Mosers neuem Musiktheater «Die Europäerin» und lotet das «literarische Bleistiftgebiet» im Spätwerk Robert Walsers aus. Gleichzeitig suchen wir Anknüpfungspunkte in der Landschaft, die Robert Walser zwischen 1936 und 1956 mit seinem Vormund Carl Seelig erwandert hat. In beiden Dörfern hat Walser auf seinen Spaziergängen regelmässig den lokalen Wirtshäusern einen Besuch abgestattet.

 

  • Mathieu Corajod: «Mikrogramm» für 1 sprechende Violinistin (2021), UA
  • Stephan Froleyks: Neues Werk für Bläsersolisten, Blasmusik und Chor zu Texten von Robert Walser (2021), UA. Paul Hübner (Trompete), Samuel Stoll (Horn), Stephen Menotti (Posaune) (Ensemble Garage Köln)
  • Eva-Maria Houben: «Walser lesen» (2007) für Ensemble, Schweizer Erstaufführung
  • Ruedi Häusermann: «Unterricht in der Kunst, die Fröhlichkeit nicht einzubüssen» Konzert mit Fenstern zur Welt von Robert Walser für Sprecher, Klarinette, Schlagzeug und Kontrabass (2021) UA. Ruedi Häusermann (cl), Marco Käppeli (dr), Claude Meier kb), Herwig Ursin (voc).
  • Patrick Kessler: «Chuchepati» (2021) Klangskulptur zu «Mikrogramm 400» von Robert Walser für Stahlobjekte, Kontrabass, Turntables und Live-Elektronik. Mit dem Chuchepati Orchestra. Dieb 13 (Turntables), Patrick Kessler (Kontrabass).
  • Brigitta Muntendorf: Neues Werk für Chor und Live-Elektronik zu Robert Walser (2021), UA, chorwald (Leitung: Jürg Surber).
  • Karl Alfons Zwicker: Neues Werk für Sprechchor und Schlagzeug zu Robert Walser (2021), UA, SinGALLinas St. Galler Frauenchor (Leitung: Michael Schläpfer) Yuka Ohta (Schlagzeug) (Ensemble Garage Köln).

2. Spaziergang

 

Sonntag 19. September 2021 – Einlass 10 – 13 Uhr

Von → Wald (AR) nach → Heiden (AR) oberhalb Rorschach (SG).

 

Der Weg ist streckenweise steil und anstrengend. Unbedingt gutes Schuhwerk und kleine Verpflegung mitnehmen. Reine Gehzeit 3,5 h. Geschätze Gesamtdauer 5,5 h.

 

Im Zentrum des zweiten Walser-Spaziergangs, steht das Frühwerk Robert Walsers: Kurzprosa aus den Prosa-Sammlungen «Geschichten», «Aufsätze» und «Kleine Dichtungen» treten in Dialog mit der Landschaft des Appenzeller Vorderlands. Rund um die Strickerei Tobler AG in Rehetobel scheint die Zeit stehengeblieben zu sein, man würde sich nicht wundern, wenn «der Gehülfe» persönlich aus dem Gebäude treten würde, oder ein Absolvent der von Walser besuchten Dienerschule. Zwischen Heiden (AR) und Thal (SG) bewirtschafteten Verwandte von Carl Seelig Weinberge – mit ein Grund, weshalb die gemeinsamen Spaziergänge von Walser und Seelig die beiden auffällig oft in das Weinbaugebiet zwischen Rorschacherberg und Heiden führten? Die unterschiedlichen Musikalischen Blickwinkel auf Walser führen hin zur Abschluss-Inszenierung des Festivals: «Tobold» – basierend auf der Kurzgeschichte «Der Fremde Gehülfe» – der Komponistin Anda Kryeziu.

 

  • Carola Bauckholt: Neues Werk für Schlagzeug und Lautsprecher zu Robert Walser (2021), UA. Dirk Rothbrust (Schlagzeug) /(Ensemble Garage)
  • Lilian Beidler: Installation zu Robert Walser (2021), UA. chorwald (Leitung: Jürg Surber).
  • Nicolas Berge / Lucia Kilger: Audio-Walk zu Robert Walser (2021), UA. Nils Kohler (Klarinette), Yuka Ohta (Schlagzeug), N.N. (Violine), Annegret Mayer-Lindenberg (Viola) (Ensemble Garage Köln).
  • Gisa Frank/Urban Mäder: Performance für TänzerInnen und BlasmusikerInnen für das Dorf Rehetobel zu Robert Walser (2021), UA. Mit Brass Band Rehetobel (Dirigent: Benjamin Markl) , Jugendmusik Rehetobel (Leitung: Marianne Zähner).
  • Paul Giger / Andres Bosshard: «Labyrinth» – Klanginstallation mit Live-Musik zu Robert Walser (2021), UA. Paul Giger (Violine), Andres Bosshard (Klangregie).
  • Patrick Kessler/Francisco Obieta: «Robert Walser» für 50 KontrabassistInnen (2021), UA.
  • Daniel Ott: «Seestück» nach Robert Walser für Hackbretter & Akkordeon (2021) UA. Goran Kovacevic (Akkordeon).
  • Charles Uzor: «Hier, in diesem zierl’chen Prunkgebäude» Musik für Chor, Gehende und 5 Klangschalen nach Robert Walser (2021), UA. chorwald (Leitung: Jürg Surber).
  • Karl Alfons Zwicker: Neues Werk für Sprechchor und Bassklarinette zu Robert Walser (2021), UA. SinGALLinas Frauenchor St. Gallen, Richard Haynes (Bassklarinette) (Ensemble Garage Köln).

 

Kongress der Walsergesellschaft

Musikalische Intermedien während des Symposions
(Ur)aufführungen von Liedern und Melodramen von:

  • James Simon (1880 – 1944): «Gebet» (1912) EA und «Gelassenheit» (1913) UA
  • Anna Renfer (1896 – 1984): «Langzeit» und «Unser Weg» (Carl Seelig), vermutlich UA, komponiert um 1950
  • Wilhelm Arbenz (1899 – 1969): «Drei Lieder» (1939)
  • Hans Wüthrich (1937 – 2019): «Arabien» (2002)
  • Heinz Holliger (*1939): «Klarinettliches Zwiegesängelchen» (1996) UA der Melodramfassung mit zwei Klarinetten und zwei Flüsterstimmen
  • Roland Moser (*1943): «Walser-Liedchen» (1996) für Stimme
  • Roland Moser (1943): «Der Schnee» (undatiert) für Stimme
  • Anette Schmucki (*1968): «Am Fenester» (1996) für Stimme und Akkordeon

 

Ausführende:
Salome Kammer (Gesang), Malgorzata Walentynowicz (Klavier), Teodoro Anzellotti (Akkordeon & Stimme), Donna Wagner-Molinari (Klarinette), Ernesto Molinari (Klarinette), Marcus Weiss (Stimme)